Cannabis als Schönwetterthema – Über die richtige Verortung der Drogenpolitik

Was guter Drogen- und Gesundheitspolitik im Weg steht

Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker in der drogenpolitischen Debatte häufiger auf starken Gegenwind gestoßen sind. Die Diskussion wird oft emotional geführt und es fällt schwer, eine sachliche Ebene zu finden. Oft wird der Vorwurf der Klientelpolitik erhoben, die vorrangig die Interessen der Konsumierenden vertreten würde. Aber der implizite Vorwurf geht oft darüber hinaus: Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass das Thema Cannabis nur dann auf der politischen Agenda stehen sollte, wenn die politische Stimmung nicht von drängenden Themen beherrscht wird. Es entsteht der Eindruck, als ob die Cannabispolitik nur ein Randthema sei, das in Krisenzeiten keine Priorität haben dürfe; dass das Thema heiter sei und vermeintlich ernsteren Themen weichen müsse.

Gleichzeitig ist die Kritik emotional aufgeladen und verstärkt das bestehende Stigma gegenüber Cannabis als politisches Thema. Die Vorurteile und Klischees, die mit dem Konsum von Cannabis verbunden sind, erschweren eine vorurteilsfreie Debatte. Stigmata, Unwissenheit und etwaige (eigene) Erfahrungen mit dem Konsum von Substanzen sind tief verwurzelte Ursachen dieser abwertenden Haltung gegenüber dem Politikfeld der Drogenpolitik. Viele Menschen haben nach wie vor eine fest vorgefasste Meinung zu dem Thema, die oft auf Halbwissen und Vorurteilen basiert. Für eine sachliche Debatte und konstruktive Auseinandersetzung über eine gute Cannabispolitik, stellt diese Situation keine ideale Ausgangslage dar.

CanG als ein Moment der Professionalisierung

Die Diskussionen um das Cannabisgesetz scheinen eine kleine Wende herbeigeführt zu haben: In letzter Zeit wird vermehrt über konkrete Inhalte gestritten, gerade weil das Gesetz selbst diese Diskussionsgrundlage geschaffen hat. In diesen Diskursen wird deutlich weniger polemisiert und die Drogenpolitikerinnen und -politiker aller Parteien diskutieren die Reformvorschläge sachlicher. Die Debatte hat an Tiefe und Substanz gewonnen, was auf eine zunehmende Professionalisierung der beteiligten Akteure hindeutet. Es zeigt sich, dass die Komplexität des Themas abseits der großen Bühnen erkannt und ernst genommen wird.

Heute führen längst nicht mehr nur die Fachpolitiker:innen Gespräche über die Dynamiken um eine Verortung im Betäubungsmittelgesetz oder den Abbau von Hürden für die Medizinalcannabistherapie. Insbesondere am Ende des Gesetzgebungsprozesses wurde eine kritische Diskussion geführt, in der sowohl die Herausforderungen als auch die Möglichkeiten zu ihrer Bewältigung diskutiert wurden. Polemik – die es nach wie vor zur Genüge gibt – wirkte in dieser Diskussion allerdings eher als Ausschlusskriterium.

Was gute Cannabispolitik leistet

Dies ist ein zartes Pflänzchen der Hoffnung in einem Politikbereich, der bisher stark unter Pauschalisierungen gelitten hat. Die Cannabispolitik ist ein wesentlicher Bestandteil der Drogen- und Gesundheitspolitik und hat einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden in unserem Land. Niemand möchte die Prozesse missen, die uns heute den politischen Weg zu immer sichereren rechtlichen Rahmenbedingungen für eine zeitgemäße Drogenpolitik ermöglichen. Auch in der therapeutischen Anwendung wünscht sich niemand die Zeit vor 2017 zurück, bevor die Cannabistherapie in Deutschland einen allgemeinen gesetzlichen Rahmen erhielt.

Auch in Zukunft wird es in der Cannabispolitik darauf ankommen, gemeinsam möglichst spezifische Ansätze zu erarbeiten. Davon hängt ab, ob beispielsweise nüchterne Gelegenheitskonsumentinnen und -konsumenten in Zukunft gefahrlos am Straßenverkehr teilnehmen können, Minderjährige vor Drogenmissbrauch geschützt werden, bleibende Schäden nach dem Konsum vermieden werden und der Schwarzmarkt wirksam bekämpft werden kann. Das Cannabisgesetz war in dieser Hinsicht ein wichtiger Schritt, gerade weil es eine konkrete, sachpolitische Debatte anregen konnte. Nun gilt es, die anstehenden Reformen der Drogenpolitik in diesem sachpolitischen Geist weiterzuführen.

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Habt Ihr spezielle Fragen oder Anregungen für das Cannabis-Briefing? Dann schreibt uns eine Mail an briefing@www.cansativa.de. Wenn Ihr Interesse habt, mit uns die Cannabisbranche zu revolutionieren, dann bleibt dran und folgt unseren Briefings!

Wir wünschen eine gute Lektüre!

Mit legalisierenden Grüßen

Jakob Sons

Gründer von Cansativa

Benedikt Sons

Gründer von Cansativa


Cansativa Experten-Dialog: Wachstum und Regulierung der medizinischen Cannabisindustrie in Deutschland

Viele von Ihnen sind bereits mit Roland vertraut. Roland Schneller, unser Geschäftsführer und COO, wurde vor fast zwei Jahren für unser Cannabis Briefing interviewt, als er als COO und Prokurist tätig war und sich auf die Logistik konzentrierte. Seitdem hat sich viel verändert – nicht nur für Sie in Ihrer Rolle bei Cansativa (herzlichen Glückwunsch!), sondern auch in Bezug auf Vorschriften, gesellschaftliche Wahrnehmungen, medizinische Fortschritte und natürlich innerhalb der Branche. Die Cansativa Group ist nun seit 7 Jahren tätig, seit 2017, als der Weg für medizinisches Cannabis in Deutschland erstmals geebnet wurde.
Roland, Sie sind jetzt seit fünf Jahren bei uns. Könnten Sie über Ihre Zeit bei Cansativa nachdenken? Welche Strategien haben sich als erfolgreich erwiesen, und welche vielleicht nicht? Und können Sie uns eine Erfahrung mitteilen, die Sie aus bedeutenden Rückschlägen gelernt haben?

Einer der Schlüsselfaktoren für unseren Erfolg ist sicherlich die Fähigkeit, flexibel auf Veränderungen in einem hochdynamischen Marktumfeld zu reagieren. Ein weiterer entscheidender Schritt war die frühzeitige Einführung eines modernen ERP-Systems. Diese technologische Grundlage ermöglicht es uns, jedes Produkt, das unsere Anlagen durchläuft, lückenlos zu verfolgen und zurückzuverfolgen. Durch die sorgfältige Dokumentation aller Produktbewegungen haben wir ein hohes Maß an Transparenz und Effizienz erreicht.

Außerdem hat sich unser kundenorientierter Ansatz als erfolgreich erwiesen und zu langfristigen, vertrauensvollen Beziehungen geführt. Die Bedürfnisse der Apotheken zu verstehen und sie in unseren Angeboten zu antizipieren, hat wesentlich zu einem optimierten Serviceportfolio beigetragen.

Natürlich gab es auch Herausforderungen. Anfänglich hatten wir mit Schwankungen in der Lieferkette zu kämpfen. Daraus haben wir gelernt, robustere Strategien zur Risikominderung zu entwickeln, wie z.B. die Nutzung mehrerer Bezugsquellen. Diese Diversifizierung hat nicht nur unsere Lieferkette stabilisiert, sondern auch unseren Ruf als zuverlässiger Partner gestärkt.

Was braucht es, um neue Geschäftsmodelle auf dem medizinischen Cannabismarkt zu entwickeln?

Es gibt mehrere Faktoren, die meiner Meinung nach entscheidend für unseren anhaltenden Erfolg sind. Erstens haben wir den Mut und die Fähigkeit, Geschäftsmodelle von Grund auf zu entwickeln und neue Märkte zu gestalten. Dieser Pioniergeist positioniert uns an der Spitze der Branchenentwicklung und ermöglicht es uns, an neuen Entwicklungen nicht nur teilzuhaben, sondern sie auch aktiv voranzutreiben.

Zweitens sind wir trotz unserer Größe sehr anpassungsfähig und können schnell auf veränderte Anforderungen reagieren. Diese Beweglichkeit ist in einer so dynamischen Branche wie der unseren von entscheidender Bedeutung. Sie ermöglicht es uns, Chancen zu ergreifen und Herausforderungen zu meistern, sobald sie entstehen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die umfassende Branchenkenntnis unseres Teams. Viele unserer Mitarbeiter sind seit der Gründung von Cansativa dabei und verfügen über einen großen Erfahrungsschatz und tiefe Einblicke in unser Geschäft. Dieses kollektive Wissen ist von unschätzbarem Wert und bildet die Grundlage für unsere strategischen Entscheidungen und Innovationen.

Schließlich haben wir eine sehr schlanke und kosteneffiziente Struktur, die es uns ermöglicht, profitabel zu arbeiten. Diese finanzielle Stabilität gibt uns die Freiheit, in Wachstum und Verbesserungen zu investieren und gleichzeitig gegen Marktschwankungen gewappnet zu sein.

Was ist notwendig, damit medizinisches Cannabis als Industrie und Therapie mehr Aufmerksamkeit erhält?

In erster Linie sind verständliche und klar formulierte regulatorische Prozesse entscheidend, um eine schnellere Produktzulassung und Markteinführung zu ermöglichen. Langwierige und komplexe Regulierungsverfahren können derzeit Innovationen behindern und den Zugang zu Therapien verzögern.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einführung einer einheitlichen Regelung für den Umgang mit medizinischem Cannabis in allen Bundesstaaten. Mögliche Diskrepanzen in den regionalen Vorschriften führen zu operativen Herausforderungen und Diskrepanzen beim Patientenzugang. Eine Harmonisierung der Vorschriften würde die Abläufe straffen und eine konsistentere Versorgung gewährleisten.

Darüber hinaus ist eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Regierungsbehörden und privaten Unternehmen in der Cannabisbranche unerlässlich. Solche Partnerschaften könnten die Entwicklung innovativer Lösungen erleichtern, die Prozesse rationalisieren, die Produktqualität verbessern und die Patientenversorgung optimieren. Sie würden auch zu fundierteren Regulierungsentscheidungen beitragen und sicherstellen, dass das Wachstum der Branche nachhaltig und verantwortungsbewusst ist und mit den Zielen der öffentlichen Gesundheit im Einklang steht.

Indem wir uns mit diesen Schlüsselfaktoren befassen, können wir ein Umfeld schaffen, das nicht nur das Wachstum der gesamten Branche fördert, sondern auch medizinische Cannabis-Therapien als anerkannte und wirksame Behandlungsoptionen etabliert, die in der Gesellschaft und unter medizinischen Fachleuten Aufmerksamkeit und Akzeptanz finden. Dies ist eine aufregende Zeit für die Branche, und es steht viel auf dem Spiel, um die Zukunft von medizinischem Cannabis in Deutschland positiv zu gestalten.

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Mit legalisierenden Grüßen,

Jakob Sons

Gründer & Geschäftsführer Cansativa

Benedikt Sons

Gründer & Geschäftsführer Cansativa


Medizinisches Cannabis in Deutschland: Was ändert sich, was bleibt gleich?

Erleichterungen in der Verschreibungspraxis

Mit der Reklassifizierung, d. h. der Herausnahme aus dem Betäubungsmittelgesetz, wird Medizinalcannabis zu einem “normalen” verschreibungspflichtigen Arzneimittel. Damit einher geht eine grundlegende Vereinfachung des Verschreibungs- und Abgabeprozesses. Die neue Regelung sieht vor, dass Rezepte für Medizinalcannabis bei gesetzlich Versicherten bis zu 28 Tage und als Privatrezept bis zu drei Monate gültig sind. Bisher musste das Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept) innerhalb von acht Tagen vorgelegt werden. Die neue Regelung gibt den Patienten mehr Flexibilität bei der Versorgung mit notwendigen Medikamenten, ohne den Druck, sofort eine Apotheke aufsuchen zu müssen.

Auch für die Apotheken bringt die Änderung Erleichterungen: Längere Einlösefristen und die Möglichkeit, im Notfall leichte Anpassungen oder Korrekturen an der Verschreibung vornehmen zu können, tragen zu einer sicheren und unkomplizierten Versorgung bei. Auch die Möglichkeit für Ärztinnen und Ärzte, Cannabis als reguläres (E)-Rezept auszustellen, dient der Erleichterung des Zugangs. Bei den Rezepten ist zu beachten, dass bestehende BtM-Rezepte voraussichtlich nicht mehr über die gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden können. Hier ist eine Korrektur der Verordnung durch die behandelnden Ärztinnen und Ärzte erforderlich.

Aber nicht alle Veränderungen sind positiv – und vieles bleibt, wie es ist.

Es ist wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass das neue Gesetz nicht alle Herausforderungen im Umgang mit medizinischem Cannabis löst. Die Frage der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen bleibt vorerst unverändert. Zukünftig soll für Ärztinnen und Ärzte ausgewählter Fachbereiche und mit spezifischen Qualifikationen die Notwendigkeit einer Prüfung und Genehmigung durch die Krankenkassen entfallen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist mit der Ausarbeitung detaillierter Bestimmungen betraut. Ebenso besteht weiterhin die Notwendigkeit für Patientinnen und Patienten, den legalen Besitz von Cannabis nachzuweisen – insbesondere im Straßenverkehr und überall dort, wo eine klare Abgrenzung zum nicht-medizinischen Gebrauch notwendig sein könnte. Dies geschieht nach wie vor am besten z. B. durch den Ausdruck eines Rezeptes und bestenfalls durch eine Dokumentation der Verschreibung und der Applikationsmethode durch den behandelnden Arzt.

Das Cannabisgesetz sieht auch keine Neuregelung der Grenzwerte im Straßenverkehr vor. Die Empfehlung für den THC-Grenzwert zum Führen von Kraftfahrzeugen (3,5 Nanogramm pro Milliliter Blutserum) ist bisher nur ein viel diskutierter Vorschlag. Ein Zeitplan für die gesetzliche Umsetzung eines neuen Grenzwertes steht noch aus.

Neu ist die Unsicherheit bezüglich des Zeitraums und des Ortes der Einnahme von Medizinalcannabis. Denn leider ist derzeit noch nicht klar, ob die Einnahmebeschränkungen im öffentlichen Raum für Konsumcannabis auch für Patientinnen und Patienten in einer Cannabistherapie gelten. Bis auf weiteres könnte es daher Missverständnisse vermeiden, sich auch als Cannabispatient an diese Einnahmebeschränkungen zu halten.


Das Cannabisgesetz ist dennoch ein großer Schritt in der Cannabistherapie

Trotz der offenen Fragen ist das neue Gesetz eine große Chance für die medizinische Anwendung von Cannabis. Es signalisiert einen Paradigmenwechsel nicht nur im administrativen Umgang mit dieser Therapieform, sondern auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung und Akzeptanz. Die vereinfachten Verfahren und der erleichterte Zugang zu medizinischem Cannabis sind ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Patientenversorgung.

Dieser Fortschritt ist das Ergebnis langjähriger Bemühungen der Politik, der Akteure im Gesundheitswesen, aber auch der Cansativa Group und des gesamten Sektors, die auf diese Reform hingearbeitet haben. Es ist nun wichtig, genau zu beobachten, wie diese Reformen der Drogenpolitik, insbesondere auch die Konsumcannabisregelungen, mit Cannabis als Medizin interagieren und welche Auswirkungen sie auf die Therapiebedingungen, die Patientenversorgung und den individuellen und gesellschaftlichen Umgang mit der Therapie haben werden.

Auch wenn das Gesetz in Teilen nach wie vor kritisch gesehen wird, bietet gerade die Transparenz in Industrie und Medizin eine wichtige Schnittstelle, um bestehende Vorurteile abzubauen und ein fundiertes Verständnis für die Bedeutung von Cannabis in der medizinischen Therapie zu fördern. Über allem steht das Ziel, das Wohl der Patientinnen und Patienten zu fördern. Wir blicken optimistisch in die Zukunft und sind überzeugt, dass die positiven Entwicklungen, die das neue Gesetz mit sich bringt, einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung leisten werden.

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Jakob Sons

Gründer von Cansativa

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