Ein Markt, der vor allem privat wächst

Verschreibungen über den NHS (National Health Service) sind eher selten und schwierig zu bekommen; dafür übernehmen private Kliniken zunehmend die Versorgung. Nach aktuellen Zahlen ist der britische Medizinalcannabis-Markt inzwischen fast vollständig privat geprägt: Mehr als 99 Prozent der Verschreibungen erfolgen demnach außerhalb des NHS, also über private Kliniken und spezialisierte Versorgungsanbieter. Für Anfang 2026 geht die Analyse von mehr als 40 privaten Kliniken aus, darunter rund 20 bis 25 spezialisierte Medizinalcannabis-Anbieter mit aktiver Verschreibungspraxis. Ende 2025 sollen bereits rund 80.000 Patientinnen und Patienten über das private System behandelt worden sein (groweriq 02.05.2026). Parallel dazu steigen die Importe deutlich: 2025 wurden rund 30 Tonnen medizinische Cannabisblüten in das Vereinigte Königreich importiert, mehr als doppelt so viel wie im Jahr zuvor (BoC 20.05.2026). Damit entwickelt sich Großbritannien zu einem der dynamischsten Medizinalcannabis-Märkte Europas, auch wenn der Zugang weiterhin stark vom privaten Versorgungsweg abhängt.

Private Versorgung als Antwort auf begrenzten Zugang

Diese Entwicklung zeigt: Der Bedarf ist da. Patientinnen und Patienten suchen nach Therapieoptionen, Ärztinnen und Ärzte sammeln zunehmend Erfahrung, und private Anbieter schaffen dort Versorgungsstrukturen, wo das öffentliche System durch hohe Hürden und knappe Ressourcen ausgebremst wird. Auch in Deutschland steht die Erstattung von Medizinalcannabisblüten durch die gesetzliche Krankenversicherung im Zuge des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes zur Diskussion. Gerade vor dem Hintergrund eines finanziell stark belasteten NHS spielt der private Gesundheitsmarkt für Medizinalcannabis eine wichtige Rolle. Er kann Zugang ermöglichen, Aufklärung leisten und dazu beitragen, dass Medizinalcannabis stärker als reguläre Therapieoption wahrgenommen wird.

Deutschland als europäischer Referenzmarkt

Genau hier liegt eine zentrale Chance für Europa: Märkte wie Großbritannien können von Ländern lernen, die bereits länger Erfahrung mit Medizinalcannabis in der Regelversorgung gesammelt haben. Seit 2017 ist Medizinalcannabis hierzulande verschreibungsfähig und durch die gesetzliche Krankenversicherung erstattungsfähig. Seit April 2024 ist Medizinalcannabis zudem nicht mehr als Betäubungsmittel eingestuft, sondern wird über das Medizinal-Cannabisgesetz reguliert. Für die Praxis bedeutete das eine deutliche Entbürokratisierung der Verordnung und Abgabe.

Diese regulatorische Entwicklung hat den deutschen Markt spürbar verändert. Verschreibungen, Importe und Marktvolumina sind deutlich gestiegen. Marktanalysen sehen Deutschland inzwischen als größten europäischen Medizinalcannabis-Markt und als zunehmend wichtigen Import- und Distributionsstandort. Damit ist Deutschland bereits heute ein wichtiges europäisches Drehkreuz für Medizinalcannabis: mit gewachsener pharmazeutischer Infrastruktur, Apothekenkompetenz, regulatorischer Erfahrung und etablierten Qualitätsprozessen.

Eine Chance für europäische Zusammenarbeit

Der britische Markt steht nicht mehr am Anfang der rechtlichen Öffnung, sondern an einem neuen Entwicklungspunkt: Wie lässt sich ein wachsender privater Markt so gestalten, dass Patientenzugang, medizinische Qualität und langfristiges Vertrauen zusammenkommen? Deutschland kann hier als Partner, Erfahrungsmarkt und Lieferkettenstandort eine wichtige Rolle spielen. Das betrifft nicht nur Produkte, sondern auch Know-how zu pharmazeutischer Qualität, Versorgung über Apotheken, Importprozessen, Dokumentation und ärztlicher Praxis.

Wie relevant diese Fragen sind, zeigte auch die Cannabis Europa, die am 26. und 27. Mai 2026 in London stattfand. Dort wurde deutlich: Der britische Medizinalcannabis-Markt wächst dynamisch, steht aber zugleich vor der Aufgabe, private Versorgung, regulatorische Klarheit und verlässliche Qualitätsstandards stärker zusammenzuführen. Für Deutschland ergibt sich daraus eine klare europäische Chance: Die hier gewachsene Erfahrung kann helfen, Medizinalcannabis auch in anderen Märkten professioneller, sicherer und patientennäher in die Versorgung zu integrieren.

 

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Mit legalisierenden Grüßen

Jakob Sons

Gründer von Cansativa

Benedikt Sons

Gründer von Cansativa