Neue Leitung und große Aufgaben

Seit dem 29. Juli steht Carsten Linnemann an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums und folgt damit auf Nina Warken. Auch auf Ebene der Parlamentarischen Staatssekretäre gab es einen Wechsel: Christiane Schenderlein hat die Nachfolge von Tino Sorge angetreten. (Bundestag, 08.09.) (Ärzteblatt, 27.07.)

Die neue Leitung übernimmt das Ressort in einer Phase, in der grundlegende Fragen zur Finanzierung und Organisation der Gesundheitsversorgung anstehen. Neben der Stabilisierung der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung geht es darum, Versorgungsabläufe zu verbessern und durch Digitalisierung und Bürokratieabbau mehr Zeit für die Behandlung zu schaffen. Medizinalcannabis wird damit in einem gesundheitspolitischen Umfeld diskutiert, in dem Kosten, Versorgungszugang und Effizienz besonders im Fokus stehen. (BMG, 22.09.) (KZV BW, 17.09.)

Kick-off beim Deutschen Apothekertag

Einen ersten größeren Auftritt vor der Gesundheitsbranche hatte Linnemann am 15. September beim Deutschen Apothekertag in München. Die wirtschaftliche Lage der Apotheken und die Bedingungen der Arzneimittelversorgung bildeten zentrale Themen. Auch Medizinalcannabis sprach der Minister ausdrücklich an und drängte auf strengere Regeln für Verschreibung und Abgabe. (BMG, 15.09.) (ABDA, 16.09.)

Mit seinen Äußerungen hat Linnemann die bekannte Forderung der Union nach strengeren Regeln bekräftigt, während die SPD an ihrer Kritik an den vorgesehenen Einschränkungen festhält (PZ, 24.09.). Die bereits seit den Beratungen im Januar erkennbaren Differenzen zwischen den Koalitionspartnern bestehen damit fort. Aus dem Auftritt allein lässt sich deshalb weder eine politische Einigung noch eine bevorstehende abschließende Beratung ableiten, denn über die Verabschiedung entscheidet weiterhin der Bundestag.

Beschlossene Änderungen und laufende Evaluation

Eine einschneidende Änderung ist bereits wirksam: Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz und dem Wegfall der Erstattung von Cannabisblüten haben sich die Rahmenbedingungen der Versorgung bereits verändert. (Cannabis Briefing 27.08.2026)

Darüber hinaus bleibt die im Koalitionsvertrag vereinbarte Evaluierung der Cannabislegalisierung ein wichtiger Bezugspunkt für die weitere politische Debatte. Im Rahmen des Forschungsprojekts EKOCAN, das die Auswirkungen des Konsumcannabisgesetzes auf den Gesundheits- und Jugendschutz sowie die cannabisbezogene Kriminalität untersucht, wurden im September 2025 und im April 2026 bereits zwei Zwischenberichte vorgelegt. Während damit erste Erkenntnisse vorliegen, wird der umfassende Abschlussbericht bis April 2028 erwartet. Welche Schlussfolgerungen die Bundesregierung aus den bisherigen und den noch folgenden Ergebnissen zieht und ob daraus weitere gesetzliche Anpassungen entstehen, bleibt offen.

Worauf es in den kommenden Wochen ankommt

Für Patient:innen, Apotheken und Unternehmen ist dabei entscheidend, dass die künftigen Regeln eine verlässliche Versorgung ermöglichen und im Alltag funktionieren. Die kommenden Wochen werden zeigen, welchen Stellenwert Medizinalcannabis innerhalb der umfangreichen gesundheitspolitischen Reformagenda erhält und welche Lösungen im Parlament mehrheitsfähig werden.

 

Aus der Redaktion:   
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Diese Ausgabe wurde verfasst von:
Nicole Borges Steeb
External Affairs Manager
Cansativa Group