Evidenz entsteht auch jenseits klassischer Studiendesigns
Weltweit liegt eine breite Evidenzbasis zu Medizinalcannabis vor, darunter dokumentierte Behandlungsverläufe und umfangreiche Real-World-Daten aus Kohorten mit mehreren zehntausend Patientinnen und Patienten. Ergänzt werden diese durch klinische Studien, auch wenn randomisierte kontrollierte Studien insbesondere für Cannabisblüten methodisch schwer umzusetzen sind, etwa aufgrund der eingeschränkten Verblindbarkeit inhalativer Anwendungen.
Ein systematischer Überblick über die internationale Studienlage zeigt zudem, dass die Evidenzbasis kontinuierlich wächst und sich über zahlreiche Indikationen erstreckt (vgl. COPEIA-Datenbank für Fachkreise). Dieses Spannungsfeld ist nicht ungewöhnlich. In vielen etablierten Therapiegebieten basiert die Versorgung auf einer Kombination aus Studien, Versorgungsdaten und ärztlicher Erfahrung. Evidenzlücken bedeuten daher nicht Wirkungslosigkeit, sondern spiegeln häufig strukturelle Grenzen der Forschung wider.
Versorgungsdaten zeigen klare therapeutische Muster
Mit der Einführung von Medizinalcannabis im Jahr 2017 führte das BfArM bewusst eine systematische Begleiterhebung durch, um die Versorgung wissenschaftlich zu evaluieren. Ziel war es, auf Basis realer Verordnungsdaten zu prüfen, wie wirksam und sinnvoll der Einsatz in der Praxis ist und gleichzeitig eine Grundlage für die weitere Forschung zu schaffen.
In die Auswertung flossen Daten zu rund 21.000 Behandlungen ein, die belastbare Aussagen zur Versorgung erlauben. Dabei ist entscheidend: Die Begleiterhebung erfasst ausschließlich Patientinnen und Patienten, deren Therapie zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet wurde. Sie bildet damit vor allem schwerwiegende Erkrankungen ab, bei denen eine Kostenübernahme möglich ist. Anwendungsbereiche bei weniger schweren Erkrankungen, in denen Medizinalcannabis ebenfalls eingesetzt wird, jedoch häufig ohne Erstattung, sind in diesen Daten nicht enthalten.
Die Auswertung zeigte, in welchen Indikationen Medizinalcannabis vor allem eingesetzt wird: Chronische Schmerzen waren mit 76,4 Prozent mit Abstand die häufigste Verschreibungsursache. Rund 70 Prozent der Patientinnen und Patienten berichteten über eine Verbesserung ihrer Lebensqualität, in etwa 75 Prozent der Fälle wurde eine Linderung der Symptomatik dokumentiert. Damit zeigt die Begleiterhebung klar, dass Medizinalcannabis in der Praxis relevante therapeutische Effekte erzielt.
Die gewonnenen Erkenntnisse sind zudem in die Weiterentwicklung der regulatorischen Rahmenbedingungen eingeflossen, etwa durch die Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts für bestimmte Facharztgruppen durch den G-BA (Gemeinsamer Bundesausschuss).
Darreichungsform ist Teil der Therapieentscheidung
Fragen nach Evidenzen richten sich oft gegen Cannabisblüten. Dabei waren es gerade die Blüten, die durch die Neuregelung in 2017 erstattungsfähig gemacht wurden. Inhalative und orale Anwendungen unterscheiden sich erheblich in ihrer Pharmakokinetik, insbesondere hinsichtlich Wirkeintritt, Wirkmaximum und Wirkdauer. Für viele Patientinnen und Patienten ist die inhalative Anwendung daher medizinisch sinnvoll und unverzichtbar. Die Annahme, inhalative Therapien könnten grundsätzlich durch orale Präparate ersetzt werden, greift zu kurz und wird der klinischen Realität nicht gerecht.
Darauf weist auch Prof. Dr. Kirsten R. Müller-Vahl hin, und betont, die „von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Begleiterhebung zeigt klar, dass Cannabisblüten insgesamt wirksamer sind und die Lebensqualität deutlicher verbessern als alternative Fertigarzneimittel – mit weniger unerwünschten Wirkungen. Die Evidenzlage für orale Cannabisextrakte (Ausnahme: das Fertigarzneimittel Sativex®) ist mit jener für Cannabisblüten vergleichbar“ (Medical Tribune 23.03.2026).
Forschung braucht Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen
Medizinalcannabis ist in Deutschland erst seit wenigen Jahren regulärer Bestandteil der erstattungsfähigen Versorgung. Für ein Therapiefeld dieser Größenordnung ist die Evidenzbasis entsprechend dynamisch im Aufbau.
Hinzu kommt ein regulatorisches Umfeld, das sich weiterhin verändert. Große, langfristige Studien erfordern jedoch Planungssicherheit und erhebliche Investitionen. Die Geschwindigkeit des Erkenntnisgewinns ist daher nicht allein eine wissenschaftliche, sondern auch eine strukturelle Frage.
Eine evidenzbasierte Therapie im Ausbau
Die Evidenz zu Medizinalcannabis ist heute breit und konsistent genug, um klare Einsatzgebiete zu definieren und eine verantwortungsvolle Verschreibung zu ermöglichen. Sie umfasst klinische Studien, umfangreiche Versorgungsdaten und internationale Erfahrungen.
Weitere Forschung wird dieses Bild weiter schärfen. Bereits heute gilt jedoch: Medizinalcannabis ist keine Therapie im Experimentierstadium, sondern ein etablierter Bestandteil der medizinischen Versorgung. Vor diesem Hintergrund sollte auch die regulatorische Ausgestaltung konsequent evidenzbasiert erfolgen und die tatsächliche Versorgungspraxis widerspiegeln.
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Mit legalisierenden Grüßen

Jakob Sons
Gründer von Cansativa

Benedikt Sons
Gründer von Cansativa


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Benedikt Sons
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