Von der Prohibition zur medizinischen Legalisierung
Den Anfang machte Kalifornien bereits 1996, als der Bundesstaat als erster in den USA Medizinalcannabis legalisierte. Dieser Schritt markierte einen grundlegenden Wendepunkt in der Drogen- und Gesundheitspolitik und setzte eine Dynamik in Gang, die sich in den folgenden Jahren auf immer mehr Bundesstaaten ausweitete. Ab 2012 kam eine weitere Dimension hinzu, als Colorado und Washington als erste Staaten Cannabis auch für den Freizeitgebrauch erlaubten. Heute haben zahlreiche Bundesstaaten entweder Medizinalcannabis, Cannabis für den Freizeitkonsum oder beides legalisiert. Gleichzeitig blieb Cannabis auf Bundesebene weiterhin verboten, was bis heute zu einem strukturellen Spannungsverhältnis zwischen staatlichem und föderalem Recht führt.
Cannabis-Rechtslage in den USA nach Bundesstaaten
Die wohl größte Weichenstellung in der US-Cannabispolitik seit rund 50 Jahren
Im Dezember folgte ein politisch und wirtschaftlich bedeutsamer Schritt auf Bundesebene: Präsident Trump stieß per Executive Order den formalen Prozess an, Cannabis künftig von Schedule I in Schedule III einzuordnen. Damit wurde erstmals auf Bundesebene anerkannt, dass Cannabis nicht länger als Substanz ohne medizinischen Nutzen betrachtet wird. Die geplante Umstufung stellt keine Legalisierung dar und ist bislang noch nicht rechtskräftig, signalisiert jedoch eine klare politische Neubewertung.
Was das Rescheduling konkret verändert
Die Neubewertung bedeutet vor allem eines: Cannabis wird regulatorisch nicht mehr auf eine Stufe mit Heroin gestellt. Daraus ergeben sich drei zentrale Effekte für die Branche. Erstens sinkt die steuerliche Belastung erheblich. Viele Unternehmen konnten bislang betriebliche Ausgaben steuerlich nicht geltend machen, da sie mit einer Substanz aus Schedule I handelten. Zweitens wird Forschung deutlich erleichtert. Klinische Studien, medizinische Anwendungen und die Entwicklung neuer Produkte werden einfacher umsetzbar, was insbesondere Pharma-, Healthcare- und Medizinalcannabis-Unternehmen allgemein neue Türen öffnet. Drittens sendet das Rescheduling ein wichtiges Signal an Banken und Investoren. Viele Institute und Fonds, die Cannabis bislang aus Compliance-Gründen ausgeschlossen haben, erhalten mehr regulatorischen Spielraum.
Kapitalmarkt, Aktien und die Neubewertung der Branche
An den Kapitalmärkten hat die Entscheidung bereits spürbare Wirkung gezeigt. Cannabisbezogene ETFs verzeichneten in kurzer Zeit spürbare Kurszuwächse, einzelne Fonds mit Fokus auf den US-Markt legten im Dezember deutlich zu. Für Anleger stellt sich nun die Frage, ob es sich dabei um eine kurzfristige Erholung handelt oder um den Beginn einer nachhaltigen Neubewertung des Sektors.
Gleichzeitig bleiben zentrale Hürden bestehen. Cannabis ist weiterhin bundesrechtlich eigentlich illegal und rechtliche Unsicherheiten bleiben bestehen. Ein Besonderheit ist der strukturelle Widerspruch am Kapitalmarkt: US-Unternehmen, die teils Umsätze in Milliardenhöhe erzielen, operieren formal weiterhin im Konflikt mit Bundesrecht und sind von großen US-Börsen ausgeschlossen. Kanadische Anbieter hingegen dürfen kein THC-Geschäft in den USA betreiben, sind aber an der Nasdaq oder der New York Stock Exchange gelistet und haben Zugang zu globalem Kapital. Der Markt ist längst ein Milliardenmarkt,wird am Kapitalmarkt aber noch nicht entsprechend behandelt. Genau hier setzt die Neubewertung an: Mehr Kapital, mehr Forschung und mehr Handel könnten mittelfristig zu einer nachhaltigeren Bewertung einer Branche führen, die längst keine Start-up-Phase mehr durchläuft.
Auswirkungen auf Patientinnen und Patienten
Für Patientinnen und Patienten ist diese Entwicklung vor allem ein wichtiges Signal der Anerkennung. Die Neubewertung stärkt die medizinische Einordnung von Cannabis und kann langfristig dazu beitragen, dass ärztliche Verschreibung, Forschung und Versorgung an Akzeptanz gewinnen. Gleichzeitig bleibt der Zugang weiterhin stark vom jeweiligen Bundesstaat abhängig. Unterschiede bei Indikationen, Verschreibungspraxis, Produktverfügbarkeit und Kostenerstattung prägen den Alltag vieler Patientinnen und Patienten. Die bundesweite Neubewertung ändert daran kurzfristig wenig, eröffnet aber mittelfristig neue Spielräume für evidenzbasierte Versorgung und medizinische Standards.
Bedeutung für Deutschland und die hiesige Debatte
Für Deutschland sind die Entwicklungen in den USA vor allem aus strategischer und vergleichender Perspektive relevant. Das US-Modell zeigt, wie Reformen schrittweise umgesetzt werden können und welche Dynamik Medizinalcannabis entfalten kann, wenn regulatorische Anerkennung, Forschung und Marktzugang zusammenkommen. Während Deutschland sich zunehmend als relevanter Medizinalcannabis-Standort in Europa etabliert, bleibt der Blick in die USA ein wichtiger Referenzrahmen für die weitere Ausgestaltung des Marktes.
Wir freuen uns darauf, diese Themen im Laufe des Jahres weiter zu begleiten und auf den kommenden Veranstaltungen mit vielen von euch persönlich ins Gespräch zu kommen.
Sons(t) noch was?
Habt Ihr spezielle Fragen oder Anregungen für das Cannabis-Briefing? Dann schreibt uns eine Mail an briefing@www.cansativa.de. Wenn Ihr Interesse habt, mit uns die Cannabisbranche zu revolutionieren, dann bleibt dran und folgt unseren Briefings!
Wir wünschen eine gute Lektüre!
Mit legalisierenden Grüßen

Jakob Sons
Gründer von Cansativa

Benedikt Sons
Gründer von Cansativa


Jakob Sons
Gründer von Cansativa


Benedikt Sons
Gründer von Cansativa