Beobachtungsdaten aus Deutschland: Hinweise auf geringeren Opioidverbrauch

In einer Praxisanalyse (Gastmeier et al., 2022) wurde untersucht, was passiert, wenn ältere Schmerzpatient:innen zusätzlich Cannabisarzneimittel erhalten. Das Ergebnis ist vielversprechend: Der Opioidverbrauch sank im Schnitt um die Hälfte – ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Die meisten Patient:innen waren über 70 Jahre alt, litten an chronischen Schmerzen und kamen mit Cannabispräparaten gut zurecht. Meist reichten sogar niedrige THC-Dosierungen aus. Die Möglichkeit, Opioide einzusparen, ist vor allem bei älteren Patient:innen relevant. Denn Sedierung, Sturzrisiko oder Atemdepression sind gerade in dieser Gruppe häufige Probleme. Die Untersuchung bietet praxisnahe Hinweise, dass medizinische Cannabinoide bei älteren Schmerzpatient:innen sicher angewendet werden können und mit einer signifikanten Reduktion des Opioidverbrauchs einhergehen.

 

New York: Langfristiger Cannabiseinsatz und Dosisreduktion

Auch in den USA zeigen sich ähnliche Trends. Eine Studie des New York State Department of Health (Nguyen et al., 2023) verfolgte über 8.000 Patient:innen mit chronischen Schmerzen, die Medizinalcannabis erhielten. Je länger die Behandlung andauerte, desto stärker sank die Opioiddosis – teilweise um mehr als 50 %. Besonders auffällig war der Effekt bei Patient:innen mit hoher Ausgangsdosis, die ihre Werte im Verlauf deutlich reduzierten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass medizinisches Cannabis die Opioidbelastung verringern und damit Risiken wie Abhängigkeit und Überdosierung reduzieren könnte. Noch offen sind Fragen zur Rolle einzelner Cannabinoidpräparate und zur Kausalität zwischen Cannabiskonsum und Opioidreduktion.

 

Bevölkerungsdaten aus den USA: Cannabisgesetze und Verschreibungsverhalten

Noch größer gedacht: Eine US-weite Analyse (Lozano-Rojas et al., 2025) zeigt, welchen Einfluss liberale Cannabisgesetze auf die Geesellschaft hat. Dort, wo Cannabis-Dispensaries (Ausgabestellen) öffnen durften, sank die Zahl der Opioidverschreibungen bei Krebspatient:innen signifikant – um rund ein Viertel. Medizinalcannabis entpuppt sich so als stiller Public-Health-Faktor: weniger Opioide, weniger Risiken, mehr Lebensqualität. Diese Ergebnisse geben ein Indiz darauf, dass Cannabis als Substitut für Opioide in der Behandlung von krebsbedingten Schmerzen dienen könnte. Auch hier zeigen die Daten Assoziationen, keine Kausalität. Weitere Forschung ist nötig, um individuelle Wirkmechanismen und Langzeiteffekte zu untersuchen. Dennoch stützen sie die Annahme, dass der Zugang zu medizinischem Cannabis auf Bevölkerungsebene positive Auswirkungen auf den Medikamentengebrauch und damit auf die öffentliche Gesundheit haben kann.

 

Medizinalcannabis kann Leben verändern – und vielleicht retten

Die Studienlage ist noch jung, aber sie zeigt eine klare Richtung. Cannabis ersetzt zwar keine Therapie mit klassischen Opioiden – in einige Bereichen könne es sich jedoch als ein ernstzunehmendes Substitut oder Substitutionstherapie etablieren. Es ermöglicht eine sanftere, sicherere Schmerztherapie, besonders dort, wo klassische Medikamente an ihre Grenzen stoßen. In einer alternden Gesellschaft, in der Menschen länger leben und bewusster mit Medikamenten umgehen wollen, könnte Cannabis zur echten Chance werden – für mehr Lebensqualität, weniger Risiko und eine Medizin, die den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt.

 

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