Deutschland: Die aktuelle Datenlage zeigt keinen kein Jugendanstieg
Die neue Drogenaffinitätsstudie zeigt bei 18- bis 25-Jährigen höhere Konsumraten als vor zehn Jahren, während bei Jugendlichen kein Anstieg erkennbar ist. Das bestätigt die Frankfurter MoSyD-Erhebung 2024, die bei 15- bis 18-Jährigen neue Tiefststände ausweist. Kurz gesagt: Kein „Jugend-Boom“, sondern ein moderater Zuwachs in der jungen Erwachsenen-Kohorte. Das bestätigen auch die neuen Zahlen des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Parallel spricht vieles dafür – und internationale Erfahrungen stützen das –, dass klare legale Kanäle den Schwarzmarkt perspektivisch schrumpfen lassen. Genau diese Verlagerung von Bezugswegen wird nun zentraler Prüfpunkt der Evaluierung sein.
Kanada: Stabil bei Jugendlichen, Edibles als Sonderfall
Und auch wenn die Evaluierung erst zeigen wird, wie stark der Effekt hierzulande ausfällt, lohnt der Blick ins Ausland: In Kanada ist der Anteil illegaler Bezugsquellen seit 2018 auf nur noch rund drei Prozent zurückgegangen – ein deutlicher Hinweis darauf, dass legale Kanäle Schwarzmärkte messbar verdrängen können. Was dürfen wir also beim internationalen Vergleich erwarten? In Kanada blieben die Jugendprävalenzen insgesamt stabil, zugleich verschob sich die Produktnutzung nach der Zulassung von Edibles – ein Effekt, der für Deutschland kaum relevant ist, weil Edibles im Rahmen des CanG gerade nicht vorgesehen sind. Für die anstehende Bewertung hierzulande zählt deshalb vor allem, ob die Abgabe über Cannabis Clubs bzw. der Eigenanbau die erwünschten Schutzeffekte erzeugt, ohne neue Risiken zu schaffen.
Uruguay: Ruhige Lage im Staatsmodell
Ein kurzer Blick nach Uruguay rundet das Bild ab: Als erstes Land, das schon 2013 den Freizeitkonsum legalisierte, liefert es wichtige Erkenntnisse. Das staatlich regulierte Modell mit Homegrow, Clubs und Apotheken hat – trotz früher Befürchtungen – keine nachhaltige Zunahme des Jugendkonsums gezeigt. Entscheidend ist die Ausgestaltung – Kanäle, Produktregeln, Prävention – nicht die bloße Frage „legal oder illegal“.
Evaluierung: Daten vor Deutung
Und wie läuft die Evaluierung in Deutschland konkret? Gesetzlich ist ein gestufter Fahrplan vorgegeben: Bis spätestens 1. Oktober 2025 soll eine erste Auswertung vorliegen – speziell zu den Konsumverboten rund um Schulen (§ 5 KCanG) und deren Wirkung auf den Kinder- und Jugendschutz. Bis 1. April 2026 folgt ein Zwischenbericht, der u. a. die Auswirkungen auf cannabisbezogene organisierte Kriminalität einbezieht. Der Abschlussbericht ist spätestens zum 1. April 2028 vorgesehen. Federführend koordiniert das vom BMG beauftragte EKOCAN-Konsortium (u. a. UKE/ZIS) die Zusammenführung von Sekundärdaten, eigene Befragungen und Marktmonitoring.
Evidenzbasierte Justierung statt Symboldebatte
Für eine evidenzbasierte Politik ist das der richtige Weg: erst messen, dann nachjustieren. Wir erwarten nüchterne Befunde – etwa zu realen Jugendtrends, zum Kinder- und Jugendschutz und zur Entlastung des Schwarzmarkts. Spannend wird, wie Bund und Länder diese Daten gewichten und ob sie konsequent entlang der Evidenz nachschärfen.