**Migräne: Die Kombination von THC und CBD zeigt Wirkung**
Präklinische und retrospektive Studien deuten seit Längerem darauf hin, dass Cannabinoide bei der Migränebehandlung wirksam sein können. Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie liefert hierzu ermutigende Ergebnisse mit verdampften Cannabisblüten. 92 Erwachsene nahmen an der Untersuchung teil, 73 behandelten mindestens eine Attacke. Die Teilnehmenden erhielten die verschiedenen Präparate und das Placebo in zufällig festgelegter Reihenfolge.
Die Kombination aus rund 6 % THC und 11 % CBD erzielte die überzeugendsten Ergebnisse: Nach zwei Stunden trat bei etwa **67 % der ausgewerteten Attacken eine Schmerzlinderung** ein, gegenüber 47 % unter Placebo. Vollständige Schmerzfreiheit wurde bei rund 35 % gegenüber 16 % erreicht. THC allein war dem Placebo ebenfalls bei der Schmerzlinderung überlegen, jedoch nicht bei der Schmerzfreiheit. CBD allein zeigte keinen signifikanten Vorteil. Damit liefert die Studie einen konkreten Ansatzpunkt für die weitere Migräneforschung. Ob der Nutzen auch bei häufiger Anwendung bestehen bleibt und wie gut die Behandlung langfristig vertragen wird, müssen weitere Untersuchungen klären. Zur Studie
**Epilepsie: Neue Perspektiven bei schwer behandelbaren Anfällen**
Bei bestimmten schweren Epilepsieformen ist bereits belegt, dass hochgereinigtes Cannabidiol (CBD) die Anfallshäufigkeit verringern kann. Eine 2026 in *Epilepsy Research* veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit richtet den Blick nun auf weitere schwer behandelbare Epilepsieformen – und damit auf Menschen, für die zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten besonders wichtig sind.
Die Auswertung umfasst **57 Studien mit insgesamt 971 Patientinnen und Patienten**. In 47 Studien wurde bei mindestens einer behandelten Person eine Verringerung der Anfallshäufigkeit berichtet; teilweise wurden auch anfallsfreie Zeiträume dokumentiert. Die berichteten Nebenwirkungen waren überwiegend leicht bis mittelschwer und betrafen häufig den Magen-Darm-Trakt. Die Befunde geben Anlass, hochgereinigtes CBD auch bei weiteren Epilepsieformen gezielt zu untersuchen. Da viele der ausgewerteten Arbeiten Fallberichte oder kleine Fallserien waren, braucht es größere kontrollierte Studien, um den therapeutischen Nutzen verlässlich zu beurteilen. Zur Studie
**Multiple Sklerose: Spastik lindern, den Alltag erleichtern**
Was Symptomlinderung im Alltag bedeuten kann, hat Manuel Kralik in unserer Ausgabe vom 7. Mai beschrieben. Der MS-Patient berichtete, wie ihm Medizinalcannabis hilft, Schmerzen und Krämpfe zu kontrollieren und seinen Alltag zu bewältigen.
Eine im August 2026 im *British Journal of Clinical Pharmacology* veröffentlichte Übersichtsarbeit untersucht die Behandlung MS-bedingter Spastik anhand von **27 randomisierten kontrollierten Studien mit mehr als 3.000 Teilnehmenden**. Besonders THC-CBD-Extrakte zeigten einen Nutzen: Sie linderten die von Patientinnen und Patienten empfundene Spastik gegenüber Placebo leicht, aber statistisch signifikant. Bei objektiven Messungen des Muskeltonus waren die Verbesserungen weniger eindeutig. Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit traten häufig auf, waren aber überwiegend leicht bis mittelschwer. Aus Sicht der Forschenden können Cannabinoide ergänzend zur Behandlung von MS eingesetzt werden. Die Arbeit unterstützt damit die Perspektive, Betroffenen eine zusätzliche Möglichkeit zur Symptomlinderung zu eröffnen. Zur Studie
**Schmerzmedizin: Cannabinoide in Leitlinien und Praxis**
Ein wichtiges Anwendungs- und Forschungsgebiet bleibt die Schmerztherapie. Damit neue Erkenntnisse ihren Weg in die Behandlung finden, braucht es auch den Austausch zwischen Forschung und Praxis. Gelegenheit dazu bietet der Deutsche Schmerzkongress in Mannheim vom **21. bis 24. Oktober 2026**, bei dem Fachleute über aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der Schmerzversorgung diskutieren.
**Von der Forschung in den Alltag**
Die aktuellen Arbeiten liefern ermutigende Ergebnisse und helfen, den möglichen Nutzen von Cannabinoiden genauer einzuordnen. Im Mittelpunkt steht dabei eine praktische Frage: Welche Patientinnen und Patienten können bei welchen Beschwerden von welchem Präparat profitieren? Jede belastbare Antwort kann dazu beitragen, Behandlungen gezielter einzusetzen und weiterzuentwickeln.
Aus der Redaktion:
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Diese Ausgabe wurde verfasst von:
Nicole Borges Steeb
External Affairs Manager
Cansativa Group